Fiaul-Julisch Venetien
Das Paradies vor der Haustür
Italien – das ist immer der Ort, in dem wir lieber wären. Wir sind ständig auf der Suche nach dem Ursprünglichen, wollen Authentizität und Geheimtipps, mehr Geheimtipps, noch mehr Geheimtipps; dabei ist jeder mediterrane Winkel millionenfach bereist worden, tausendfach abgelichtet und leer geschrieben.
Friaul-Julisch Venetien immerhin ist für italienische Maßstäbe tatsächlich unbekannt – vielleicht gerade deshalb, weil die Region so nahe liegt. Pro Jahr besuchen beinahe zehn Millionen Deutsche Italien, doch das Friaul mit seiner Hauptstadt Triest lassen die meisten von ihnen in Fahrtrichtung links liegen.
Friaul-Julisch Venetien wartet auf Entdeckungsreisende: Kaum eine andere Region offeriert so viele Spezialitäten auf so kleinem Raum wie Italiens Nordosten. Landschaftlich steht die Region der Toskana in nichts nach; die Adria ist nah und (endlich) klar, manche der führenden Restaurants Italiens servieren ihre Spezialitäten. Eine Flugstunde oder fünf Autostunden von München entfernt finden Feinschmecker ein Schlaraffenland, das alles für das gehobene Gaumensegel bietet: exzellente Weißweine, herausragende Meeresspeisen, deftige Fleischgerichte, jegliche italienische Spezialität, dazu kulinarische Einflüsse aus Kärnten und Slowenien sowie Grappe, Süßspeisen und Schinken von Weltruf – in einem Radius von nicht einmal siebzig Kilometern. „Alles gibt es im Friaul, sowohl Meer als auch Berge, Hügel, Ebenen, Seen, Flüsse und Ströme, Blumen aus den heißen Gegenden des Mezzogiorno und leuchtendes Edelweiß auf den Spitzen der schneebedeckten Hochgebirge“, schrieb Arduino Burello im Jahr 1908. An klaren Tagen kann man vom Schloss in Udine die Alpenketten, das Collio, die Ebene, die Lagunen und das Meer überblicken.
Das Friaul ist ein Italien-Konzentrat quasi direkt vor der Haustür Mitteleuropas. Und: Die Region hat eigentlich immer Saison. Das Frühjahr als Reisezeit bedarf keiner besonderen Erklärung: Alles blüht, die Temperaturen sind verlässlich acht Grad höher als nördlich der Alpen, die Straßencafés öffnen, die Menschen strömen auf die piazza. Die Wörter Sommer und Adria sind für Deutsche seit fünfzig Jahren Synonyme für das Wort Strandurlaub. Der Herbst ist warm und bunt und reichhaltig und erfreut vor allem Gourmets: Pilze und Trüffeln sprießen, die Wildsaison ist eröffnet, die Fische haben die perfekte Größe erreicht, und „der Körper hat auch mehr Hunger“, weiß Feinkosthändler Alessandro Pesle. Auch als Golfdestination lohnt sich das Friaul: Acht Plätze gibt es hier. Der Golf Club Grado etwa, der in die Lagune hinein gebaut wurde, ist so wasserreich, dass selbst Single-Handicapper ein paar Extra-Bälle einpacken. Gleich das erste Loch zeigt, wohin hier die Reise geht: Ins Feuchte. Es ist ein Par-3-Inselgrün; links, rechts, vorne, hinten, oben und unten Wasser. Man hat das Gefühl, als müsse man aus 170 Metern Entfernung die Motorhaube eines Fiat Uno treffen. Keine Frage: Die Lage direkt an der Lagune (an allen 18 Löchern kommt Wasser ins Spiel) und der geschickte Verlauf der Spielbahnen zwischen Seen und Tümpeln machen diesen Platz zu einen der ungewöhnlichsten Italiens. Das schönste Loch ist die 6, ein bezwingbares Par 4 (nur 320 Meter von gelb), das Clevere mit einem Eisen 3 oder Fairwayholz vom Abschlag angehen. Doch rechts vom Loch verläuft die Lagune von Grado, und der Blick auf das Kloster Barbana, das mitten in der Lagune liegt, lässt alle Spieler, die den Ball ins Meer slicen, nicht ganz so laut fluchen. Wer will, kann natürlich den Driver zücken und den Ball bei günstigen Bedingungen (Rückenwind, guter Bounce) bis nahe ans Grün bringen. Aber er sollte vorher um göttlichen Beistand bitten. Das bezaubernde Städtchen Grado auf der gleichnamigen Insel mit seinem mittelalterlichen Ortskern und der Ansammlung hervorragender Restaurants rundet auf hervorragende Weise einen Golfurlaub ab.
Der Golf Club Lignano dagegen ist der internationalste und turbulenteste aller Plätze. Man hat das Gefühl, in einem floridianischen Golf-Resort gelandet zu sein. Es gibt Golf-Immobilien entlang der Fairways (in Italien eine Rarität), ein Golfhotel direkt im Clubhaus und Übungsflächen, die so großzügig angelegt sind, dass findige Architekten auf dem Terrain glatt noch einmal 9 Löcher errichten könnten. Auch dieser Platz ist nahe am Meer, doch man kann die Adria nur erahnen. Der Platz ist sehr gepflegt, elegant und insbesondere bei Österreichern so begehrt, dass es am Wochenende ziemlich voll werden kann. Die schönste Bahn ist die 12, ein Par 4, das nur 280 Meter lang ist und für das normalerweise ein mittleres Eisen aufs Fairway und ein Wedge an die Fahne völlig ausreicht. Aber was wäre das Leben ohne Risiko? Wer will, kann das Grün vom Abschlag aus direkt anzuspielen versuchen – ein satter Drive über 220 Meter carry reicht, und Sie putten zum Eagle.
Lignano selbst wird im Sommer für ein paar Wochen die größte Stadt des Friaul. In der Saison schwillt die Stadt, in der nominell 5.000 Menschen leben, auf nahezu 300.000 Einwohner an. Geadelt wurde Lignano von keinem Geringeren als Ernest Hemingway, der vom „Florida Italiens“ sprach. Und Lignano mit seinem acht Kilometer langen Strand aus feinstem Sand hat vielleicht kulturell nicht so viel zu bieten wie andere Orte oder wie das kleinere, feinere Grado, aber für Familien mit Kindern ist der Ort ebenso geeignet wie für Bootsfreunde (der Hafen bietet 5.000 Anlegeplätze und ist damit der größte Yachthafen Italiens).
Der Golf Club Gorizia Castello di Spessa eröffnete Anfang 2006. Graf Filippo Formentini präsidiert über die Bahnen rund um das herrliche Schloss und inmitten der Weinberge des Collio, jener Region, aus der die besten Weißweine Italiens kommen. Nobel geht es im Golf Club Udine zu, einem hervorragend gepflegten, leicht hügeligen Platz, der zu den traditionsreichsten Norditaliens gehört. Der Golf Club Tarvisio nahe der österreichischen Grenze erweiterte gerade von 9 auf 18 Bahnen. Auf den meist breiten Fairways darf man den Drive auch mal verziehen, doch rund um die mitunter schwierigen Grüns sollten die Spieler sich konzentrieren, um den Ball nahe an die Fahne zu bringen. Der Golf Club Trieste bietet mitunter spektakuläre Ausblicke auf das Karstgebirge und die Adria. Ein Verweilen auf der Terrasse des Clubhauses und ein Aperitif mit Meerblick ist hier Pflicht. Für Anfänger schließlich gibt es den Golf Club Friuli, dessen neun Bahnen für Beginner bezwingbar sind. Der dortige Golflehrer Gigi Paolillo gehört zu den renommiertesten seiner Zunft und hat schon viele Novizen in wenigen Stunden zu hervorragenden Golfern gemacht.
Ganz sicher: Friaul-Julisch Venetien ist eine hervorragende und noch nicht niedergetrampelte Golf-Destination. Entdecken Sie die Region für sich!


















