España Verde
Der Golf-Pfad entlang des Jakobsweges
Eine Tour vom Baskenland über Kantabrien, Asturien nach Galizien
Die vier autonomen Regionen im Norden Spaniens – das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galizien – nennen sich selbst „España Verde“, das „Grüne Spanien“. Diese Großregion der Iberischen Halbinsel weist bei einer Gesamtfläche von etwas mehr als 52.000 Quadratkilometern atemberaubende natürliche Schönheit, große Geschichte und großartige Kultur auf. Obgleich die vier Autonomie-Regionen über viel Trennendes verfügen – da sind allein drei Sprachen zuhause - , so ist doch etwas in der Welt Unvergleichliches vorhanden, das sie miteinander verbindet: Es ist der Jakobsweg, der berühmte Pilgerpfad, der aus dem französischen Baskenland kommend in den Pyrenäen bei Roncesvalles spanischen Boden berührt und dann vorbei an Klöstern und Kirchen durch das Grüne Spanien bis nach Santiago de Compostela in Galizien führt.
Diese Route ist nicht nur für religiöse Pilger geeignet, sondern sie ist auch in besonderer Weise für Golf-Reisende prädestiniert, weil sie auf vielfältige Art den Teil der Iberischen Halbinsel erschließt, der neben großartiger Kultur auch hervorragende Golf Courses, die „Golf-Kathedralen“ Nordspaniens, entdecken hilft und neue, geradezu wunderbare Erlebnisse für Golfer ermöglicht.
Das Baskenland - in den Pyrenäen beginnend, von den Spaniern País Vasco und den Basken Euskadi genannt, erschließt eine Welt am Atlantik, den Golf von Biskaia, die Gebirgszüge der Pyrenäen und das Alava-Gebiet, ein hügeliges Flachland. Besonders stolz verweisen die Basken auf ihre Geschichte. In den Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia sind zwar vorgeschichtliche Höhlen und Dolmen vorhanden, frühchristliche Monumente fehlen gänzlich, dennoch ist die katholische Religion bei den Basken fest verwurzelt. Besonders bedeutsame Städte sind San Sebastián mit der Sandstrandbucht „La Concha“, die Muschel-Schale, Bilbao mit dem Guggenheim Museum und die Stadt Guerníca, die den Basken als „heiliger Ort“ gilt und Picasso ein weltberühmtes Bild wert war.
Am Golf von Biskaia und vor allem im Hinterland, durch das der Jakobsweg führt, kann man hervorragend Golf spielen – kein Wunder, einer der großen Golfer der Welt, José Maria Olazábal, stammt aus dem Baskenland, aus San Sebastián.
Wenn man die große Stadt am Golf von Biskaia aufsucht und das Guggenheim Museum besucht hat, dann kann man sein Glück in den Golf Clubs Real Sociedad de Neguri und Club de Campo Laukariz versuchen. Bei beiden Clubs handelt es sich jedoch um Privatclubs, wo nur schwer Startzeiten zu erhalten sein dürften.
Dies gilt auch für den Real Club de Golf de San Sebastián. Nicht aber für den noch jungen Golf Basozábal bei San Sebastián, der über 18 wunderschöne Golflöcher verfügt und quasi das Erstlingswerk des baskischen Golf-Helden José Maria Olazábal darstellt. Ein Platz, wie geschaffen für Golf-Touristen, die nicht nur anspruchsvolles Spiel, sondern auch Landschaft und Meer erleben wollen.
Mit Izki Golf in Urturi-Alava, im baskischen Hinterland, hat der spanische Golf-Volksheld Severiano Ballesteros seine Visitenkarte im Baskenland hinterlassen und eine Championship-Anlage geschaffen, die hohe Ansprüche und damit herkömmliche Golfer vor große Aufgaben stellt. Übrigens: Urturi-Alava befindet sich schon im Anbaugebiet der berühmten spanischen Rioja Weine.
In Kantabrien, der zweiten Station von Ost nach West im Grünen Spanien, haben in Höhlenlandschaften in den Bergen steinzeitliche Künstler ihre Zeichen gesetzt. In der Provinzhauptstadt Santander, der Könige und High Society das Gepräge eines mondänen Seebades gaben, wird Golf bereits seit 1928 gespielt. Kantabrien zeigt sich im wellig-bergigen Hinterland als Agrarprovinz, an der Küste als geschäftige Touristen-Region. Santander macht dem Grünen Spanien alle Ehre, verfügt es doch über mehr als 25.000 Bäume im Stadtgebiet und über die Halbinsel La Magdalena, die als wunderschöner Park gestaltet ist.
Die Gebirgskette, die sich hinter der Küste aufbaut, ist insbesondere durch ihre Höhlen berühmt, wo Pferde, Hirsche, Wisente, auch die Mammuts als Vorläufer der Elefanten von den Ur-Künstlern in den Kalkstein geritzt worden sind. Insbesondere die Höhlen von Altamira gelten als kunsthistorische Sensation.
Golferisch setzt sich unser Pilgerweg durch Nordspanien im Real Golf de Pedreña in dem gleichnamigen Ort fort. In diesem Golf Club, dessen schräg angelegte Fairways besonders schwer zu spielen sind und dessen Ausblicke auf Santander als traumhaft gelten, diente Seve Ballesteros als Caddy, bevor er einer der besten Golfer der Welt wurde. An der Bucht von Santander liegen auch noch die 9 Löcher von La Junquera und direkt am Stadtrand der Campo Municipal de Golf Mataleñas, von deren Fairways oft im Atlantik spielende Delphine beobachtet werden können.
Severiano Ballesteros hat besonders eindrucksvolle Spuren in der touristisch interessanten Gegend von San Vicente de la Barquera hinterlassen, wo er sich mit der Gestaltung des Golf Santa Marina (18 Löcher mit einem Clubhaus aus dem 17. Jahrhundert) eine Art golferisches Kunstdenkmal geschaffen hat. Hier wurde Schönheit mit Präzision kombiniert. In der Gegend befindet sich auch Comillas, wo der spanische Modernismo nicht nur mit Gaudí beachtenswerte Kunstwerke aufweist – alles großartige Erlebnisse, die unseren „Golf-Jakobsweg“ begleiten können.
Die nordspanische Provinz Asturien hat ein wahres Füllhorn an Geschichte, Natur und Kultur über die Golfreisenden auszuschütten. Hier an der Küste und im Gebirge wurden die Grundsteine für die spanische Reconquista, die Befreiung von den Mauren, schon 722 gelegt. In Oviedo künden noch heute die prä-romanischen Kirchen (von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt) von dem Sieg des Königs Pelayo über die Mauren und stellen ein „Heiligtum“ für Kunsthistoriker dar.
Die Berge von Asturien, Picos de Europa genannt, waren die Zeichen für die Seefahrer, wenn sie von ihren Fahrten in die Häfen zurückkehrten. Immerhin leuchten die höchsten Picos oft schneebedeckt über 2.500 Metern hinaus aufs Meer. In den Bergen sind ungewöhnliche Flora und Fauna genauso zuhause wie die Produktion von gut schmeckendem Käse (von schwarz-weiß gefleckten Kühen) und des Cidra, eines Apfelweines der bei zu großem Genuss zu deutlichen Folgen führen kann.
Historisch sollte man noch im west-asturischen Küstengebiet vorbeischauen, dort wo die Fischerboote im Hafen des alten Walfängerortes Luarca schaukeln. Hier ragen insbesondere die Paläste der „Indianos“, reich gewordene Spanisch-Amerikaner, aus den Bergwiesen hervor, die sich an dem tiefen Meereseinschnitt von Ribadeo anlehnen, der auch die Grenze zu Galizien markiert.
Noch im Grenzgebiet zu Kantabrien, wo sich die Berge hinüber nach Asturien ziehen, sollte ein Spiel auf den 18 Löchern des Club de Golf La Cuesta de Llanes empfohlen werden. Der Course liegt auf einem Hochplateau zwischen Bergen und dem Atlantik und vermittelt neben anspruchsvollem Spiel auch herrliche Aussichten auf das Meer und die berühmten Picos de Europa.
Etwa genau zwischen Gijón und Oviedo befinden sich die 18 Löcher des Club de Golf La Barganiza, eines Privatclubs, der aber durchaus – wie allgemein die Asturianer – seine spielwilligen Gäste freundlich empfängt. Für diesen Platz sind Elektro-Trolley oder Buggy empfehlenswert. Die Bergregion fordert gute Kondition. Dafür ist man dem Himmel näher, an dessen nördlichen Horizont der Atlantik erscheint.
Bei Llorea, nahe Gijón, warten die 18 Löcher des öffentlichen Golf Courses Campo Municipal la Llorea. Ebenfalls in der Hand der Gemeinde befinden sich nahe Oviedo die 18 Löcher des Campo Municipal de Golf las Caldas. Der Name des noch jungen Platzes in einer natürlichen Hügellandschaft, die mit vielen Eichen, Kastanien und Kirschbäumen bewachsen ist, weist darauf hin, das hier Thermen, warme Quellen, vorhanden sind und man deshalb Golf natürlich mit Gesundheit verbinden kann.
Mit der nordwest-spanischen Provinz Galizien nähert man sich dem großen Finale des Jakobsweges in Santiago de Compostela und auch dem Finish unseres Golf-Pilgerpfades. Galizien ist das „Finisterre“ (das Endland) im Westen, wo die galizische Sprache erfunden wurde, aus der wohl das Portugiesische hervorging. Galizien ist auch das Land, wo Römer und Kelten zuhause waren und große Kultur hinterlassen haben. Es ist das einzige Land, das sich von einer Besetzung der Mauren freihalten und eine eigene Kultur entwickeln konnte.
Von besonderer Bedeutung sind in Galizien drei Orte: Santiago de Compostela mit dem Grabmal des Apostels Jakobus, des Schutzpatrons Spaniens; Vigo gilt als der größte Fischereihafen. Von den „Rías“genannten Meeresarmen stachen die Galizier in See, um in der Neuen Welt ihr Glück zu machen (allein zwischen 1911 und 1965 wanderte über eine Million Galizier nach Amerika aus). Und dann kommt A Coruña, die Hauptstadt, die in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht die größte Bedeutung hat.
Ziel des Jakobsweges ist Santiago de Compostela – Santiago ist der spanische Name für Jakob. Hier erwartet uns nicht nur die Kathedrale von Santiago de Compostela, die vom Monte de Gozo das erste Mal zu sehen ist, sondern hier warten auch die erst vor kurzem fertig gestellten 18 Löcher des Real Aéro Club de Santiago, ein Golf Course, der es nach dem langen Weg den Spielern nicht sehr schwer macht. Dennoch und voller Demut ist hier ein präzises Spiel erforderlich, um auch den letzten Anforderungen zu genügen.
In A Coruña, der Hauptstadt, stehen die 18 Löcher des „La Zapateira“ genannten Golfplatzes bereit, eines Courses, der ästhetisch schön und spielerisch anspruchsvoll ist. Alter Baumbestand säumt die Fairways, die mit ihren Schräglagen echte Herausforderungen für Golfer aller Spielstärken bedeuten.
Obwohl nur 9 Löcher vorhanden sind, sollte der Golf A Toxa auf der gleichnamigen Halbinsel in der Provinz Pontevedra unbedingt gespielt werden. Sie ist mit O Grove, einem malerischen Fischerort, durch eine Brücke verbunden. Fünf Löcher grenzen an den Meeresarm, der als dauerndes Wasserhindernis existiert. Je nach Gezeiten spielt man über Wasser oder über den Strand. Herausragend: das berühmte Inselgrün „Punta Cabreira“.
Zu Galizien, von Wasser im Norden und Westen umgeben, gehört auch unbedingt das Thema der Thermalbäder, von denen es zwanzig im Lande gibt. Mehr als die Hälfte davon befinden sich in den Rías Baixas und der Ecke von Pontevedra. Nahe der Thermalquellen von Mondariz trifft man den 2000 eröffneten Golf Club Balneario de Mondariz an. Die Anlage wurde – wie könnte es in Galizien anders sein – auf einer der größten, ehemals natürlich grünen Kiwi-Plantage Europas eingerichtet. Golf und Gesundheit lassen sich kaum schöner verbinden.
An der Westküste Galiziens sind Fisch und Wein zuhause – Spezialitäten: Meeresfrüchte im Dampf gegart und Albariño Wein. Diese besonderen Speisen und Getränke mögen auch Stärkung sein zur letzten Etappe nach Santiago de Compostela, wo der Jakobsweg endet, der golferische Pilgerpfad aber noch nicht. In der Provinz Pontevedra von Galizien sollte man sich quasi zum Abschluss die 18 Löcher des öffentlichen Campo de Golf de Meis gönnen. Der Course liegt auf dem Monte Castrove in einem Pinienwald, ist für alle spielbar und bietet herrliche Aussichten auf die Rías der Umgebung.
Und es ist genau die gleichnamige Hafenstadt Pontevedra, die für Spanier und Golfer große Bedeutung hat. Hier, in der „Wiege der Seefahrer“, wurden auf den Werften die Schiffe gebaut, mit denen Christoph Columbus Amerika entdeckte.
Den Namen Pontevedra findet man in Verbindung mit Golf wieder in Florida, wo nicht nur mit St. Augustin die älteste spanische Siedlungsgründung Nordamerikas liegt, sondern sich mit dem großartigen TPC Sawgrass Courses eine der Kathedralen des Golfsports überhaupt befindet.
Der religiös bestimmte Jakobsweg endet in Galizien – der Pilgerpfad für Golf entlang des Jakobsweges durch das Grüne Spanien könnte sich jedoch bis nach Florida, USA, fortsetzen.









